Neues Strategiepapier Kann das Verbrenner-Aus Deutschlands Autobranche stärken?

Im Bericht werden gezielte Maßnahmen für betroffene Zulieferer und Beschäftigte gefordert.

Bild: publish-industry, DALL·E
21.02.2025

Das geplante Verbot des Verkaufs von Benzin- und Dieselautos ab 2035 sorgt in Deutschland für Kontroversen. Ein neues Strategiepapier von Forschungsinstituten in Deutschland, England, Kanada und der Schweiz legt nahe: Das Ende des Verbrennungsmotors könnte Deutschlands Autobranche stärken statt schwächen.

In der Debatte um das geplante Aus für Verbrennungsmotoren unterstützt ein neues wissenschaftliches Strategiepapier die Position der Befürworter. Das „Policy Paper“, welches von Forschenden aus sechs Forschungseinrichtungen verfasst wurde, empfiehlt der Politik, an den bestehenden Plänen festzuhalten.

Die Analyse, an der auch das German Institute of Development and Sustainability (IDOS) beteiligt ist, argumentiert: Ein Festhalten an der Umstellung auf Elektromobilität sei langfristig im Interesse der deutschen und europäischen Automobilindustrie. Denn während der Wandel in der Automobilindustrie zweifellos eine große Umwälzung darstelle, sei er zugleich unvermeidlich. Eine Verzögerung würde deutschen Herstellern nur schaden – und stattdessen den Vorsprung der Konkurrenz aus China und anderen Ländern vergrößern.

Investitionssicherheit statt Unsicherheit

„Das Beste, was die Politik tun kann, ist, Investitionssicherheit zu gewährleisten und am ehrgeizigen europäischen Zeitplan des Ausstiegs aus dem Verkauf von Verbrennungsmotoren festzuhalten“, sagt Professorin Karoline Rogge von der University of Sussex, die das Strategiepapier koordinierte. Ein Kurswechsel hingegen würde der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Autobranche schaden.

Im Bericht werden zudem gezielte Maßnahmen für betroffene Zulieferer und Beschäftigte gefordert. Prof. Adrian Rinscheid von der Universität St.Gallen schlägt vor, Weiterbildungsmaßnahmen und Programme zur beruflichen Neuorientierung zu stärken. Zudem sollten Forschungs- und Innovationsförderung für Zulieferer zur Umstellung auf E-Mobilitätskomponenten und Unterstützung bei der Diversifizierung bereitgestellt werden.

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Der Wandel der Industrie braucht gezielte Maßnahmen

Besonders wichtig sei es, die Akzeptanz in der Bevölkerung zu sichern. „Wer eine klare wirtschaftliche Perspektive für Arbeitnehmer und Unternehmen schafft, gewinnt auch die gesellschaftliche Unterstützung für den Wandel“, sagt Rinscheid. Anstatt die bestehenden Ausstiegsziele abzuschwächen, wie es zuletzt immer wieder diskutiert wurde, sollten die politischen Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen den Strukturwandel aktiv begleiten.

„Ausstiegspolitik allein reicht nicht aus, um Europas Führungsrolle im globalen Wettlauf um Netto-Null-Emissionen zu sichern“, betont Dr. Nicholas Goedeking vom IDOS. Ein umfassendes politisches Konzept sei nötig, um die europäische Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu erhalten.

Stude ist Teil des EMPOCI-Projekts

Angesichts wachsender Forderungen, den Zeitplan für den Verbrenner-Ausstieg aufzuweichen, soll die Studie mit ihren Erkenntnissen zu einer fundierteren Debatte über die Zukunft der deutschen und europäischen Automobilindustrie beitragen. Das Policy Paper „How phase-out policies strengthen Europe's automotive industry“ ist Teil des so genannten EMPOCI-Projekts und wurde vom Europäischen Forschungsrat (ERC) finanziert. Für die Analyse arbeitete Dr. Nicholas Goedeking vom IDOS eng mit weiteren Forschenden zusammen. Das Projekt wird von Professorin Karoline Rogge von der University of Sussex geleitet.

Das Papier können Sie hier als PDF herunterladen.

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