Wie Unternehmen sich gegen Ausfälle wappnen Obsoleszenz als Risiko: Industrie im Wettlauf mit der Zeit

Das Thema Obsoleszenz isoliert zu betrachten, hält Axel Wagner ohnehin nur für bedingt zielführend. Entscheidend für eine nachhaltig erfolgreiche Beschaffungsstrategie sei auch eine kontinuierliche, hocheffektive Kommunikation entlang der kompletten Supply Chain.

Bild: publish-industry, DALL·E
26.03.2025

Nicht mehr lieferbare Materialien, Werkstoffe, Software, elektronische Bauteile oder andere Ersatzkomponenten – sei es durch Abkündigungen oder unerwartete Marktveränderungen – stellen deutsche Industrieunternehmen gerade im Bereich der langlebigen Wirtschaftsgüter immer wieder vor erhebliche Herausforderungen. Produktion und Instandhaltung stoßen dabei immer wieder an ihre Grenzen. Der gemeinnützige Industrieverband COGD (Component Obsolescence Group Deutschland) rechnet angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen sowie weiterer regionaler und globaler Einflussfaktoren damit, dass sich diese Problematik in den kommenden Jahren noch deutlich verschärfen wird.

Das auf dem ersten COGD-Quartalsmeeting 2025 turnusgemäß für zwei Jahre neugewählte Vorstandsgremium, bestehend aus dem Vorstandsvorsitzenden Axel Wagner (Corporate Lawyer Asteelflash Holding und Director International Institute of Obsolescence Management IIOM), dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Martin Steinleitner (Partner Syliom Unternehmensberatung, CTO International Institute of Obsolescence Management IIOM), Kassenwart Oliver Hoffmann (General Manager EMEA Z2Data), Janine Keller (Obsolescence Manager, OneSubsea), Stefanie Kölbl (Bereichsleiterin TQ-Embedded, TQ-Systems), Frank Mützner (After Series Manager, Plastic Omnium Lighting Systems), Dieter Paatsch (Electronic Components Management, Festo) und Sven Sander (Obsolescence Manager, Schaeffler Automotive Buehl)) sieht vor allem auf ausschließlich in Europa beziehungsweise Deutschland produzierende Unternehmen große Herausforderungen in punkto Lieferkettenabsicherung zukommen.

Axel Wagner verweist darauf, dass man seit Gründung des COGD vor zwei Jahrzehnten gemeinsam mit den aktuell 175 Mitgliedsfirmen zwar viele Strategien und Maßnahmen zur effizienten Eindämmung oder idealerweise sogar Vermeidung von Obsoleszenz entwickelt habe. Beispiele hierfür seien neben dem intensiven Austausch von Informationen und Daten mit Herstellern, Verbänden und Organisatoren unter anderem auch Seminare und Workshops zum Thema Obsolescence Management, Initivativen zur Internationalisierung des smartPCN-Standards in die IEC 62402, die SCIP-Kooperation mit der Kanzlei ReachLaw oder die gemeinsame Initiative von COGD, FED (Fachverband Elektronikdesign und -fertigung) und FBDi (Fachverband der Bauelemente Distribution) zum Bürokratieabbau in der Elektronikindustrie. Die außerhalb der COGD in vielen Industrieunternehmen nach wie vor oft noch viel zu schwach ausgeprägte Sensibilität für eventuelle Lieferkettenrisiken könne das alles aber nur zum Teil wettmachen.

Risiken früh erkennen, Resilienz gezielt stärken

Das Thema Obsoleszenz isoliert zu betrachten, hält Axel Wagner ohnehin nur für bedingt zielführend. Entscheidend für eine nachhaltig erfolgreiche Beschaffungsstrategie sei auch eine kontinuierliche, hocheffektive Kommunikation entlang der kompletten Supply Chain, ist der COGD-Vorstandsvorsitzende überzeugt. In einer extrem dynamischen Welt, wie wir sie derzeit erleben, gewinne die Fähigkeit, potenzielle Risiken jeglicher Art schnell zu antizipieren und die Resilienz der eigenen Supply Chain nachhaltig entsprechend zu stärken, zunehmend an existentieller Bedeutung.

„Die Resilienz einer Supply Chain basiert auf einem dynamischen Zusammenspiel von Risikoanalyse, proaktiver Planung und vielfältigen Partnerschaften. Indem Unternehmen aktiver in ihre Risikoanalyse und eine umfassende Zusammenarbeit innerhalb der Supply Chain investieren, können sie besser auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Krisen steigern. In einer sich ständig verändernden Welt ist dies kein Luxus, sondern wie auch die Einführung eines proaktiven beziehungsweise strategischen Obsoleszenz-Managements unerlässlich“, so Axel Wagner.

Die COGD bietet Unternehmen für diesen Prozess vielfältige Unterstützung an. Neben vierteljährlichen Mitgliedertreffen mit Fachvorträgen externer Experten verschiedenster Fachrichtungen, Berichten interner Arbeitsgruppen und Diskussionsgruppen stehen Interessenten eine Vielzahl weiterer Plattformen für den direkten und indirekten Informationsaustausch rund um die Themen Obsoleszenz-Vermeidung und -Management zur Verfügung.

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  • Plädieren für umfassendere Risikoanalysen und noch mehr proaktives Obsoleszenz-Management (von links): Sven Sander (Schaeffler Automotive Buehl), stellvertretender Vorstandsvorsitzender Martin Steinleitner (Syliom), Janine Keller (OneSubsea), Vorstandsvorsitzender Axel Wagner (Asteelflash), Dieter Paatsch (Festo), Stefanie Kölbl (TQ Group), Frank Mützner (Plastic Omnium Lighting Systems) und Oliver Hoffmann (General Manager EMEA Z2Data).

    Plädieren für umfassendere Risikoanalysen und noch mehr proaktives Obsoleszenz-Management (von links): Sven Sander (Schaeffler Automotive Buehl), stellvertretender Vorstandsvorsitzender Martin Steinleitner (Syliom), Janine Keller (OneSubsea), Vorstandsvorsitzender Axel Wagner (Asteelflash), Dieter Paatsch (Festo), Stefanie Kölbl (TQ Group), Frank Mützner (Plastic Omnium Lighting Systems) und Oliver Hoffmann (General Manager EMEA Z2Data).

    Bild: COGD

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