Viele Unternehmen setzen bereits auf intelligente Lösungen wie vernetzte Ecosysteme. Wie eng diese mit dem Geschäftserfolg gekoppelt sind, zeigt eine Umfrage von PwC aus dem Jahr 2023 unter mehr als 2.000 Führungskräften global tätiger Unternehmen mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von über 650 Millionen US-Dollar. 72 Prozent der erfolgreichsten Unternehmen gaben dabei mehr als doppelt so häufig an, dass ihr Umsatz in hohem Maße von ihrer Teilnahme an Ecosystemen abhängt, im Vergleich zu weniger erfolgreichen Unternehmen. Sie profitieren unter anderem durch den Zugang zu neuen Märkten, einem besseren Verständnis der Kundenbedürfnisse sowie durch den Erwerb zusätzlicher Kompetenzen und Technologien.
Wertvolle Industriedaten sichtbar machen
Wenn verschiedene Unternehmensbereiche ihre Informationen bündeln und standortunabhängig als gemeinsames Werkzeug nutzen, steigt der Wert von Industriedaten erheblich. Diese Erfahrung hat auch der österreichische Automobilzulieferer Henn gemacht, der Schnellkupplungen für Ladeluft- und Kühlwassersysteme herstellt. Um die lange Nutzungsdauer in Fahrzeugen zu gewährleisten, unterliegen die Schnellkupplungen komplexen regulatorischen Anforderungen und müssen eine hohe Qualität aufweisen. Zudem ist eine präzise Nachverfolgbarkeit jedes einzelnen Bauteils entscheidend.
Bis heute hat Henn bereits über 550 Millionen Schnellkupplungen produziert – und damit auch eine enorme Datenmenge, aus der sich wichtige Informationen ableiten lassen. Das Erfassen und Auswerten der Daten überließ der Hersteller zunächst einer einfachen SQL-Datenbank (Structured Query Language). Sie erzeugte umfangreiche Tabellen mit Datensätzen, die Mitarbeitende händisch abfragten oder bearbeiteten.
Doch die Methode stellte sich als zunehmend umständlich und technologisch veraltet heraus. So konnten die Prozessoren die Menge an unstrukturierten Daten nur mit Verzögerung verarbeiten: Sobald eine Abweichung bei einer Maschine auftrat, wurde sie vom System minimal zeitversetzt erfasst. Unstimmigkeiten wie diese bewirkten, dass auch fortschrittliche Softwareanwendungen wie Microsoft Power BI keine vollständig verlässlichen Erkenntnisse zur Produktionshistorie liefern konnten.
Echtzeit-Daten für effizientere Abläufe
Durch den Wechsel zu einer cloudbasierten Lösung konnte Henn schließlich seine Produktionsprozesse optimieren und Daten in Echtzeit verarbeiten. Das gewährleistet die hohe Qualität der Teile sowie einen sicheren Informationsaustausch mit Partnern wie Lieferanten und Maschinenherstellern.
Über die Plattform Connect von Aveva konnte das Unternehmen auf eine Vielzahl von Tools zur Analyse, Visualisierung und Modellierung zugreifen, die den gesamten Lebenszyklus industrieller Anlagen abbilden. Abgestimmt auf die eigenen Herausforderungen stellte sich Henn so ein individuelles Ecosystem zusammen – mit nativen Daten- sowie Visualisierungsdiensten, Modellierungs- und Analysefunktionen, Anwendungsentwicklungsdiensten sowie Service- und Nutzungsmanagement-Tools.
In Verbindung mit dem Aveva Data Hub implementierte Henn eine Software für cloudbasiertes Datenmanagement, die Betriebsdaten von Sensoren und Anlagen außerhalb des primären Kontrollnetzwerks erfasst, speichert und verfügbar macht. Die Software dient als Verbindung zwischen Edge und Cloud, indem sie Daten sowohl in das bestehende Altsystem als auch in die neue Cloud-Lösung integriert. Dabei berücksichtigen die doppelt indizierten Datenströme sowohl die Zeitstempel aus der Produktion als auch die Teilenummern, sodass alle Informationen jederzeit im richtigen Kontext vorliegen. Etwaige Mängel können so innerhalb kürzester Zeit erkannt und behoben werden.
Der Umstieg auf eine Cloud-Architektur führte nicht nur zu einer signifikant verbesserten Datenqualität, sondern auch zu deutlich schnelleren Abläufen: Früher benötigten die Mitarbeitenden zwei Tage, um die Produktionsdaten zu überprüfen und zu validieren. Heute können sie die korrekten Daten bereits innerhalb von zwei Minuten nach Fertigstellung einer Schnellkupplung aus der Cloud abrufen und Abfragen gegen große Datensätze durchführen. Die gesteigerte Verarbeitungsgeschwindigkeit führte insgesamt zu zehn Prozent effizienteren Abläufen und gewährleistet gleichzeitig eine konsistente Datenqualität – unabhängig vom Arbeitsort der Mitarbeitenden.
Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum
Industrieunternehmen sehen sich mit immer komplexeren Herausforderungen konfrontiert, sei es innerbetrieblich oder im externen Umfeld. Um Transparenz, Verantwortlichkeit und Zusammenarbeit zu stärken, werden einheitliche digitale Einblicke immer wichtiger. Denn innerhalb eines vernetzten Ecosystems können alle Akteure, seien es Industrieunternehmen, Technologieanbieter oder Entwickler, fundierte und vorausschauende Entscheidungen treffen.
Doch damit Unternehmen die Vorteile von Ecosystemen voll ausschöpfen können, benötigen sie eine darauf abgestimmte IT-Landschaft und Geschäftsstrategie – sowie die passenden Tools. Das breite Angebot von Connect zahlt darauf ein: Hier finden sich nicht nur Anwendungen des Anbieters Aveva, sondern auch von Drittanbietern wie Schneider Electric, RIB oder etap. Besonders praktisch: Die Anwendungen lassen sich zunächst testen und anschließend über ein Credit-System flexibel als Abonnement lizenzieren.
Administratoren können für jede Software festlegen, wer eine Nutzungslizenz erhält und welche Rollen und Berechtigungen jeweils zugewiesen werden. Durch Kooperationen mit Partnern wie Snowflake und Databricks werden außerdem innovative Anwendungen wie Prognosemodelle und KI-Lösungen unterstützt. Im Fokus steht dabei der Zugang zu sicheren, vertrauenswürdigen und konsistenten Datensätzen.
Beispiele aus der Industrie zeigen immer deutlicher, dass sich der richtige Umgang mit komplexen Daten positiv auf das Wachstum aller beteiligten Unternehmen auswirkt. Und mehr noch: Vernetzte industrielle Ecosysteme werden in den kommenden Jahren entscheidend zum nachhaltigen Wirtschaftswachstum beitragen. Schließlich sind sie ein zentraler Bestandteil der Industrie 5.0, in der Menschen gemeinsam mit Robotern und intelligenten Maschinen an klugen Lösungen für die Gesellschaft arbeiten.