Antriebstechnik 60 Sekunden mit...

04.06.2013

Hartmut Dorner, Leiter EMV & Netzanalyse bei Danfoss, über die Auswirkungen der Energiewende auf die Netzqualität.

A&D: Herr Dorner, welche Beeinträchtigung der Netzqualität verursacht die eingespeiste Leistung aus Windkraftanlagen?

Hartmut Dorner: Bei Windkraftanlagen wird, ähnlich wie bei der Photovoltaik, die eingespeiste Energie nicht nach dem elektrischen Grundsatz einer sinusförmigen Spannungskurve mittels Drehstromgenerator erzeugt. Deshalb bedarf es elektronischer Wechselrichter, die versuchen, die Sinusspannung möglichst gut nachzubilden. Dies gelingt je nach Aufwand mehr oder weniger zufriedenstellend. Allerdings wird die induktive Dämpfungseigenschaft eines Generators mit einem Wechselrichter nicht einwandfrei nachgebildet und unsere Netze werden in ihrer Eigenschaft eher kapazitiv.

Was bedeutet das genau?

Dies bedeutet in der Summe, dass sich die Eigenresonanz der Netze hin zu niedrigeren Frequenzbereichen bewegt, die alle modernen Drehzahlregelungen bei passender Konstellation treffen können. Daraus können Stress für die Anlage und andere Probleme resultieren. Dieses Netzverhalten von moderner Energieerzeugung bei steigendem Einsatz von elektronischen Verbrauchern sehe ich daher als eine wichtige zukünftige Aufgabenstellung. Über die Bandbreite der möglicherweise auftretenden Effekte wissen wir noch nicht genug. Daran muss noch gearbeitet werden, angefangen bei den Normen über die Messtechnik bis zur Ausbildung des Nachwuchses.

Wie lässt sich hier Abhilfe schaffen?

Im Bereich Netzqualität versuchen wir, vorauszudenken und das Verständnis für künftige in den Netzen entstehende Qualitätsprobleme zu schärfen, sowie jetzt schon Lösungsmöglichkeiten praktisch umzusetzen. Auch in der Normungsarbeit wird dies berücksichtigt und wir geben unseren Input in die nationale und internationale Gremienarbeit für zukünftige erweiterte Grenzwerte mit ein.

Welche Rolle spielt die Windkraft für Ihr Unternehmen?

Danfoss ist bislang kein Lieferant von Frequenzumrichtern für Windkraftanlagen. Diese liegen heute im Leistungsbereich einiger Megawatt und unser Spektrum endet bei 1,6 MW. Unser Hauptaugenmerk liegt netzseitig auf Motorantrieben - also auf den Verbrauchern, nicht auf den Erzeugern - und bedingt durch die Umrichter auf der dadurch ansteigenden Beeinflussung der Netzspannungsqualität. Dafür bieten wir auch die entsprechende Filtertechnik.

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