Interview über vollelektronische e-Starter mit Halbleitertechnik „Gefährlicher Kurzschlussstrom? Nicht mit uns!“

Erich Fröhlich, Global Product Owner bei Siemens: „Vier Mikrosekunden entscheiden darüber, ob eine Anlage sicher weiterläuft oder ein Kurzschluss hohe Kosten verursacht.“

Bild: Siemens
03.04.2025

Der vollelektronische e-Starter von Siemens schaltet Kurzschlüsse in nur vier Mikrosekunden ab. Zusätzlich schont der sogenannte „Smart Start“ Motoren und Applikationen. Im Interview erklärt Erich Fröhlich, Global Product Owner bei Siemens, wie das funktioniert und welche weiteren Vorteile der Simatic ET 200SP e-Starter bietet.

Was war der Hauptantrieb für die Entwicklung des ET 200SP e-Starters?

Unser Ziel war es, eine neue Generation von Startern zu schaffen, die vollständig auf mechanische Schaltelemente verzichtet und dadurch schneller, sicherer und effizienter arbeitet. Ein wesentlicher Treiber war die Kurzschlussabschaltung: Während mechanische Schalter mehrere Millisekunden für eine Abschaltung benötigen, können wir mit unserem vollelektronischen e-Starter innerhalb von nur vier Mikrosekunden reagieren. Das verhindert zerstörerische Kurzschlussströme und macht zusätzliche Schutzgeräte oft überflüssig. Darüber hinaus wollten wir eine Lösung entwickeln, die wartungsarm ist. Ohne mechanische Kontakte, die verschleißen können, verlängert sich die Lebensdauer des e-Starters erheblich. Dadurch reduziert sich ebenso der gesamte Wartungsaufwand und der Betrieb wird deutlich wirtschaftlicher. Ein weiterer Vorteil ist die höhere Effizienz: Im Vergleich zu klassischen Direktstartern reduzieren sich die Energieverluste um 30 bis 40 %.

Wann empfehlen Sie den Einsatz eines e-Starters und wann wäre ein Frequenzumrichter die bessere Wahl?

Die zentrale Frage lautet: Benötige ich eine variable Drehzahlregelung? Falls ja, ist ein Frequenzumrichter notwendig. Doch wenn eine konstante Drehzahl ausreicht, kann ein Frequenzumrichter unnötig hohe Energieverluste verursachen. In solchen Fällen ist unser e-Starter die effizientere und kostengünstigere Alternative. Viele Unternehmen haben in der Vergangenheit pauschal auf Frequenzumrichter gesetzt. Doch mittlerweile erkennen immer mehr Anwender, dass der Betrieb mit Motorstartern – insbesondere mit unserem vollelektronischen e-Starter – wirtschaftlicher und energiesparender ist, wenn keine Drehzahlregelung erforderlich ist.

Welche zusätzlichen Funktionen bietet der e-Starter?

Eine unserer innovativsten Funktionen ist der „Smart Start“. Damit reduzieren wir Anlaufströme und Drehmomentstöße um bis zu 50 %. Besonders hocheffiziente IE4-Motoren können hohe Anlaufströme erzeugen, die Fehlauslösungen oder mechanische Belastungen verursachen. Durch eine optimierte Spannungsrampe verhindern wir diese Probleme. Ein Kunde aus der Holzindustrie hatte beispielsweise das Problem, dass beim Anlaufen eines Förderbands mit großen Getrieben starke Schläge im Antriebsstrang auftraten. Nach der Umstellung auf den e-Starter lief das System deutlich ruhiger und vibrationsärmer an. Das zeigt, dass Smart Start nicht nur den Strom reduziert, sondern auch mechanische Belastungen minimiert.

Wie einfach ist der Smart Start konfigurierbar?

Sehr einfach. Im TIA-Portal gibt es eine Checkbox, mit der die Funktion aktiviert oder deaktiviert werden kann. Standardmäßig ist die Rampe auf 120 Millisekunden eingestellt, kann aber auf bis zu zwei Sekunden verlängert werden. Wir wollten eine Lösung schaffen, die für den Anwender intuitiv und ohne großen Konfigurationsaufwand nutzbar ist.

Kann der e-Starter für Condition Monitoring und Predictive Maintenance genutzt werden?

Ja, und das ist einer der größten Vorteile. Der e-Starter misst kontinuierlich Strom, Spannung und Leistung jeder Phase und stellt diese Daten direkt in der Steuerung zur Verfügung. Anwender können Grenzwerte für Warnungen und Fehler definieren, beispielsweise um einen erhöhten Stromverbrauch durch ein verschmutztes Kugellager frühzeitig zu erkennen. Ein weiteres Highlight ist die direkte Anzeige von Störungen am Gerät selbst. Wenn eine Überlastung oder eine Abweichung erkannt wird, gibt der e-Starter eine optische Warnung aus – ganz ohne zusätzliche Programmierung in der Steuerung. Das erleichtert die Wartung erheblich und hilft, teure Ausfälle zu vermeiden.

Ist der e-Starter auch für nicht-motorische Lasten geeignet?

Ja, absolut. Unser Hauptanwendungsbereich sind natürlich motorische Lasten, aber wir haben den e-Starter auch für ohmsche und kapazitive Lasten optimiert. LED-Beleuchtungssysteme beispielsweise haben hohe Einschaltströme, die für herkömmliche Schaltgeräte problematisch sein können. Unser e-Starter kann diese Anforderungen mühelos bewältigen.

Können Sie die drei wichtigsten Vorteile des e-Starters zusammenfassen?

Erstens, die Kurzschlusssicherheit: Der e-Starter verhindert zerstörerische Kurzschlussströme und bleibt selbst im Fehlerfall funktionsfähig. Zweitens, die Reduzierung von Einschalt- und Anlaufströmen durch den Smart Start, was die Netzbelastung minimiert und mechanische Komponenten schützt. Drittens, die vollständige Integration ins TIA-Portal, die eine einfache Inbetriebnahme ermöglicht und umfassende Diagnosefunktionen bietet. Zusammengefasst bietet der e-Starter eine Kombination aus hoher Betriebssicherheit, reduzierten Energiekosten und einer einfachen Handhabung. Das macht ihn zu einer zukunftssicheren Lösung für eine Vielzahl von Anwendungen in der industriellen Automatisierung.

Bildergalerie

  • Der Simatic ET 200SP e-Starter zeichnet sich durch einen tausendmal schnelleren Kurzschlussschutz aus und ist im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen wie Leistungsschaltern oder Sicherungen nahezu verschleißfrei.

    Der Simatic ET 200SP e-Starter zeichnet sich durch einen tausendmal schnelleren Kurzschlussschutz aus und ist im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen wie Leistungsschaltern oder Sicherungen nahezu verschleißfrei.

    Bild: Siemens

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel